Publikationen

Sönmez, S. & Knoblauch, H. (2023). Grenzen im Internet? Die RIPE-Debatte um das Internet anlässlich des Ukrainekrieges — Working Paper No. 13

Autor:innen

Sönmez, S. & Knoblauch, H.

Publikationstitel

Grenzen im Internet? Die RIPE-Debatte um das Internet anlässlich des Ukrainekrieges — Working Paper No. 13

Erscheinungsjahr

2023

Ort

Berlin

Verlag

TU Berlin
  • Zitieren (APA):

    • Sönmez, S. & Knoblauch, H. (2023). Grenzen im Internet? Die RIPE-Debatte um das Internet anlässlich des Ukrainekrieges — Working Paper No. 13. Berlin: TU Berlin.

Der russische Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 löste weltweites Entsetzen aus und führte zu weitreichenden internationalen Sanktionsmaßnahmen gegenüber der Russischen Föde-ration. Neben zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Sanktionen entzündete sich im Ver-lauf der darauffolgenden Monate eine Debatte darüber, ob und inwiefern Teile der Internetinf-rastruktur Russlands sanktioniert werden könnten. Hierbei wurde erneut auch ausdrücklich die Frage nach einer territorialen Abgrenzung des Internets gestellt und diskutiert. Jenes Diskursereignis reiht sich dabei in die nun schon seit einigen Jahren andauernde Debatte um die Fragmentierung, Territorialisierung und Instrumentalisierung des Cyberspace ein. Sie zieht sich durch die kurze, aber wechselhafte Geschichte des Internets auf eine Weise, die für die Untersuchung der Refiguration von Räumen von besonderem Interesse ist. Nach einer kurzen Rekonstruktion der Situation zu Beginn des russischen Einfalls in die Ukrai-ne werden wir zunächst die Diskussion um die Fragmentierung des Internets skizzieren. In die-sem Zusammenhang werden wir auf die Grundzüge der Internetinfrastruktur und ihrer Organisa-tion bzw. „Governance“ eingehen. Im empirischen Teil dieses Beitrags fokussieren wir uns auf den Diskurs innerhalb der für Russland, die Ukraine und den europäischen Raum für die Regist-rierung von IP-Adressbereichen zuständigen Organisation RIPE, der mit dem Beginn des Krie-ges einsetzte. In der Untersuchung rekonstruieren wir den Verlauf des Sanktionsdiskurses innerhalb von RIPE, der in der transnationalen Öffentlichkeit über historisch gewachsene, deliberative und digitale Kommunikationsformen geführt wurde. Als Folge dieses Diskurses wurde der Status quo des Internets als ein offenes Netzwerk deutlich hervorgehoben, während in anderen Bereichen die material-räumlichen, politischen und wirtschaftlichen Grenzen zum Territorium Russlands scharf gezogen wurden. Daran zeigt sich die Rolle der Raumfiguren des Territoriums und des Netzwerkes, deren Spannungsverhältnis sich über Diskurse und Diskursformen, Governance-Organisationen bis hin zur technologisch-materialen Infrastruktur erstreckt. Ihre oftmals gegen-läufigen räumlichen Dynamiken führen weder zu einer Fragmentierung noch zu einer bloßen weaponization, sondern können in ihrer gleichzeitigen räumlichen Realisierung als Refiguration des Internets beschrieben werden.