Querschnittsgruppen

Zur Förderung der projektübergreifenden Zusammenarbeit hat der SFB 1265 unter anderem das Format der Querschnittsgruppe institutionalisiert. Alle Querschnittsgruppen bilden sich über mindestens zwei Projektbereiche hinweg zwischen Mitgliedern verschiedener Projekte, für die thematisch die genannten Querschnittsthemen besonders relevant oder interessant sind. Die Mitarbeit von Promovierenden des MGK in den Querschnittsgruppen wird aktiv gefördert. Die Querschnittsgruppen bieten zugleich Raum für Kreativität in der Konzeption des SFB, indem jederzeit und zu bislang unvorhersehbaren Themen und auf Eigeninitiative der Mitglieder neue Gruppen gebildet werden können. Beispiele für die rhizomartige Organisation des Forschungsprozesses bzw. spontane Kooperationen waren in der ersten Förderphase des SFB etwa die Thematik der Covid-19-Pandemie sowie die Arbeitsgruppe „Raum und Religion“.

Während die Schwerpunktbildung das Konzept der Refiguration in (A) Raumwissen, (C) Zirkulation und Ordnung sowie den vermittelnden Bereich (B) der Räume digitaler Mediatisierungen operationalisiert, dienen die Querschnittsgruppen der Bearbeitung für den SFB zentraler Teilfragen, die einige Projekte gezielt adressieren, um eng an der Durchführung des Projektes, der Theoriearbeit und Ergebnisabstimmung – die Projektbereiche überschreitend – zu kooperieren.

Querschnittsgruppen der aktuellen Förderphase:

  • Querschnittgruppe „Objektivierte Infrastrukturen“

    Die Querschnittsgruppe „Objektivierte Infrastrukturen“ beleuchtet soziale, materielle und digitale Infrastrukturen, ihre wechselseitigen Verflechtungen und ihre Raumwirksamkeit. Wir fragen, wie Infrastrukturen entstehen, sich verfestigen und sich wandeln; wie sie bestimmte Nutzungen ermöglichen, während sie andere ausschließen oder behindern, und wie Infrastrukturen über Diskurse legitimiert werden. Infrastrukturen können soziale Ungleichheit reproduzieren und Macht objektivieren (z.B. Grenzinfrastrukturen), sie können aber auch emanzipatorische Formen des Handelns ermöglichen (z.B. Internetzugang in marginalisierten Räumen). Im Zentrum unserer Arbeit stehen die materiell-digitalen Verflechtungszusammenhänge von Infrastrukturen und die Frage, welche neuen Raumanordnungen diese hervorbringen.

    Ansprechpartner: René Tuma

  • Querschnittsgruppe „Intersektionalität, Gender, Race & Class“

    Unter der Überschrift Intersektionalität untersucht die Querschnittsgruppe Schnittpunkte, Überlagerungen und Überschreibungen von Klasse, Ethnizität (bzw. „race“ im angloamerikanischen Verständnis), Geschlecht sowie anderer Dimensionen sozialer Ungleichheit (z.B. Staatsbürgerschaft, Alter, Disability, Kaste) im Feld der Raumkonstitution. Symbolische und physisch-materielle Begrenzungen von Teilhabe stehen ebenso im Mittelpunkt der Analysen wie spezifische Konfliktkonstellationen und Lebenserfahrungen. Indem Raum auch leibkörperlich hergestellt wird, ist der gegenderte, ethnifizierte und klassenspezifische Körper unentrinnbar Teil des Raumwissens. Relevant werden Diskriminierung und Identität allerdings je nach Raum sehr unterschiedlich, wodurch auch Mechanismen des Ein- und Ausschlusses variieren und Gegenstand der vergleichenden Analyse in der Querschnittsgruppe werden.

    Ansprechpartnerin: Martina Löw

  • Querschnittsgruppe „Empirische Wissenschaftstheorie“

    Die Querschnittsgruppe „Empirische Wissenschaftstheorie“ zielt darauf ab, aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven die Erarbeitung von Konzepten und Theorien im SFB zu reflektieren. Wir fragen, welche anthropologische, geographische, architektonisch-planerische, medienwissenschaftliche, soziologische und künstlerische Konzepte sich für eine inter- und transdisziplinäre Forschung produktiv machen lassen und wie die Theoriearbeit des SFB in die verschiedenen Fächer zurückwirken kann. Dabei interessiert uns besonders, wie Wissen in der Übersetzung zwischen textlichen und visuellen Darstellungsweisen entsteht und wie es in unterschiedlichen Medien wirkt. Zugleich gilt es Mindeststandards für die Produktion wissenschaftlichen Wissens zu definieren.

    Ansprechpartnerin: Silke Steets

  • Querschnittsgruppe „Land/Ländlichkeit“

    Die Querschnittsgruppe „Land/Ländlichkeit“ untersucht interdisziplinär und projektübergreifend die Frage, was Ländlichkeit im Lichte unterschiedlicher räumlicher Kontexte bedeutet und welche Formen der Ländlichkeit mit welchen Konflikten zwischen den unterschiedlichen Raumfiguren verbunden sind.

    Ansprechpartnerin: Ariane Sept

  • Querschnittsgruppen der ersten Förderphase

    Querschnittsgruppe „Kontrolle, Macht und Sicherheit“

    Die Querschnittsgruppe „Kontrolle, Macht und Sicherheit“ fand in Sicherheitsfragen einen für viele Teilprojekte relevanten Fokus. Insbesondere die Legitimierung raumbezogenen (politischen) Handelns über Sicherheitsdiskurse und eine raumtheoretische Bestimmung des Konzepts ontologischer Sicherheit/Unsicherheit (Giddens, 1991) standen im Zentrum der gemeinsamen Arbeit. Als Ergebnis liegt ein SFB-Working Paper zur ontologischen Sicherheit auf der Basis einer raumtheoretischen Argumentation vor (Schröder, Castillo & Helbrecht, 2021).

    Querschnittsgruppe „Geschlecht und Raum“

    Die Querschnittsgruppe „Geschlecht und Raum“ hat mit regelmäßigen Diskussionsimpulsen und einem SFB-Working Paper (Birkholz, 2021), das Refiguration als Alternative zur Festlegung auf Identität vorschlägt, für eine stärkere Integration von Gender-Themen in den SFB gesorgt.

    Querschnittsgruppe „Öffentlichkeit“

    Die Querschnittsgruppe „Öffentlichkeit“ hat ihre Beiträge zur Refiguration öffentlicher Räume in Teilprojekten und Qualifikationsarbeiten in der Arbeitsgruppe zusammengeführt und einen theoretischen Beitrag zu „relational communication spaces“ im Special Issue des Journals „Media and Communication“ eingereicht (Keinert, Sayman & Maier, 2021).

    Querschnittsgruppe „Raum und Zeit“

    Die Querschnittsgruppe „Raum und Zeit“ widmete sich der Systematisierung unterschiedlicher raumzeitlicher Zusammenhänge: Von der körperlich-leiblichen Erfahrung spezifischer Situationen und ihres unmittelbaren Vergehens oder Andauerns über soziale Konstitutionsformen von Geschichtlichkeit im Zusammenhang mit Raumkonstitutionen (z. B. als Fortschrittsnarrativ nationaler Gesellschaften) bis hin zu Fragen der Distanzüberwindung in möglichst kurzen chronologischen Zeitintervallen (z. B. beim internationalen Warentransport). Auch diese Überlegungen mündeten in ein SFB-Working Paper (Frehse, 2020) zu Zeitlichkeitsdimensionen von Raumtheorien. Ferner wurden in dem SFB-Sammelband „Spatial Transformations“ (Million et al., 2021) Fragen von Zeitlichkeit prominent diskutiert.

    Arbeitsgruppe „Raum und Religion“

    Die Arbeitsgruppe „Raum und Religion“ hat sich mit der jüngeren Diskussion um „Urban Religion“ und mit wissenssoziologischen Zugängen zur Raumtheorie befasst. Der SFB unterstützte die Analyse der räumlichen Refiguration der texanischen Stadt Waco, um die Rolle von Religion in diesen Prozessen auszuloten. Die Ergebnisse wurden in einem Working Paper (Steets, 2021) zusammengefasst.