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C06
Streaming-Serien: Raumgeschichten und Produktionsregime bei Afronovelas

Das Teilprojekt widmet sich der Produktion von Raumgeschichten in der Popkultur am Beispiel von Streaming-Serien. Serien sind in den letzten Jahrzehnten zu wirkmächtigen massenmedialen Angeboten mit hoher Reichweite geworden. Sie erzählen Geschichten über, in und durch die Welt, wobei sie zur Bildung von kollektiven Raumgeschichten beitragen und Interpretationen des aktuellen Raumwandels vermitteln. Mit der Analyse von Afronovelas untersucht das Teilprojekt Raumgeschichten westafrikanischer (oberer) Mittelschichten, die (bisher kaum untersuchte) Projektionen von einem gelingenden Leben und deren Alltagsräume in einer westafrikanischen Großstadt zeigen.

Dies erfolgt nicht nur filmanalytisch, sondern auch raum- und kultursoziologisch, indem die Raumge-schichten im Kontext ihrer Produktionsregime untersucht werden. Die sich gegenwärtig im Umbruch befindende westafrikanische Serienlandschaft beheimatet drei konkurrierende Produktionsregime, die zu paradigmatischen Vergleichseinheiten werden können: Das erste ist ein Überbleibsel der Kolonialzeit und folgt dem Modell der internationalen Kooperation unter der Obhut von Frankreich; das zweite ist das Produkt einer wachsenden Regionalisierungsdynamik, die zur Emergenz eines westafrikanischen audio-visuellen privatwirtschaftlichen Produktionssektors führt; das dritte wird von der aufkommenden Platt-formökonomie getragen und produziert translokale Koproduktionen von Serien. Gefragt wird zum einen, ob und wenn ja wie sich die Produktion fiktionaler filmischer Räume zwischen den Produktionsregimen unterscheidet und zum anderen, ob sich hier ein Spannungsverhältnis zwischen Raumgeschichten der Refiguration und refigurierten Produktionsbedingungen beobachten lässt.

Im Sinne von multiple spatialities zielt das Teilprojekt darauf ab, Variationen von Raumgeschichten zum selben Kontext und deren Rückführung auf das Produktionsregime der Serien herauszuarbeiten. Diese drei Produktionsregime können als räumliche Figurationen gelesen werden, deren Berührungspunkte und Überlagerungen im Zentrum der Analyse stehen sollen. Sie sind jeweils paradigmatisch für eine refigurierte Ordnung und, indem sie zwei bedeutende große gesellschaftliche Herausforderungen der letzten Jahrzehnte, nämlich die Dekolonisierung und Mediatisierung, adressieren, besonders aufschlussreich für die Erforschung der Refiguration von Räumen. Um Antworten auf diese Fragen zu finden, verfolgt das Teilprojekt einen multimodalen qualitativen Forschungsansatz, der eine Serienanalyse von drei westafrikanischen Afronovelas, eine fokussierte ethnografische Untersuchung über die Produktion fiktionaler Räume am Serien-Set und ein institutionelles Mapping der drei Produktionsregime umfasst.

Projektfoto: © Daddy Dibinga